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Autodemopart

In vielen Demokratien wurden gemeinnützige Stiftungen zuletzt zahlreicher, vermögender und ambitionierter. Statt lediglich politisch bereits entschiedene Gemeinwohlvorstellungen zu unterstützen und zu finanzieren, möchte ein größer werdender Teil von Stiftungen eigene Gemeinwohlvorstellungen verwirklichen und gesellschaftliche Strukturen transformieren. Dazu berufen sie sich wiederkehrend und in zweifacher Weise auf die in Demokratien weitgehend positiv besetzte Norm der Partizipation: Zum einen pochen Stiftungen auf Partizipation als demokratischen Wert, um ihre gesellschaftspolitische Mitsprache zu rechtfertigen. Zum anderen schaffen sie selbst vielfältige und dynamische Partizipationsmöglichkeiten. Beide Fälle bedingen einander und sind spannungsreich. Im ersten Fall kollidiert der stifterische Partizipationsanspruch mit dem demokratischen Ideal ‚one person, one vote‘ – weshalb wird steuerprivilegierten und kaum kontrollierbaren Vermögen ein solch großer politischer Einfluss gewährt? Im zweiten Fall stellt sich die Frage, wie Stiftungen Partizipation gestalten und mit welchen Programmen sie versuchen, ihre Ziele umzusetzen. Im Projekt untersuchen wir die Partizipationseffekte, die von den Stiftungsprogrammen und -aktivitäten ausgehen. Dazu fragen wir erstens, welche Gemeinwohlvorstellungen Stiftungen vertreten und welche Rolle Partizipation dabei spielt. Zweitens problematisieren wir aus einer organisationstheoretischen Perspektive die organisatorischen Herausforderungen, die mit diesen teils anspruchsvollen Gemeinwohlideen einhergehen. Drittens ergründen wir demokratietheoretisch die Effekte von Stiftungsprogrammen auf gesellschaftliche Partizipation und politische Inklusion in Demokratien. Der multiperspektivische wissenschaftliche Anspruch wird um einen transdisziplinären Anspruch ergänzt, bei dem es um eine sachlich informierte, aber durchaus streitlustige Diskussion um die Stellung von Stiftungen als wohlmeinenden Autokratinnen in Demokratien geht.

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