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Termin: 04.02.2015 Uhrzeit: 18:15 - 19:45 ( Mittwoch )

Computersimulation als Erkenntnismethode

Vortrag
Referent/in: Prof. Dr. Martin Warnke, Universität Lüneburg
Inhalt:

In der Frühzeit der Computersimualation (CS) ging es noch darum, mit dem Computer zu berechnen, was nicht mehr mit Bleistift und Papier ging. Das Feld des Rechenbaren wurde schlicht erweitert, die Theorien blieben unangetastet, es entstanden jedoch schon neue Begriffe wie das deterministische Chaos, der Schmetterlingseffekt, seltsame Attraktoren.Mit Computerexperimenten eröffneten sich neue Erkenntnispfade, denn neben die klassischen Erkenntniskategorien Experiment und Theorie trat die CS, die theoretische Experimente im Computer dort einführte, wo Experimente nicht möglich waren, etwa bei der Vorbereitung der Wasserstoffbombe. Mit der Monte-Carlo-Methode betrat eine völlig neue Weise der Welterzeugung den Plan.Modellwelten erlaubten zum ersten Mal, operationale Begründungen einzuführen: was ein Schwarm ist, weiß man durch die drei Regeln, die ihn erzeugen. Überzeugt ist man dann, wenn simulativ erzeugte Schwärme genau so aussehen wie solche, die man in der Natur beobachten kann. Gegenstände, die nicht mit Differentialgleichungen beschreibbar sind, werden plötzlich theoriefähig. Theorie nimmt die Form von Simulationen an. Alles dieses leistet einer Bewegung Vorschub, die CS als erste Prinzipien anerkennt. CS provozieren Theoriebildung, gelten selbst als Prinzipien, aus denen Erscheinungen ableitbar werden. CS sind vom bloßen Hilfsmittel zu Basiskategorien der Erkenntnis avanciert, werden unabhängig von ihrer Anwendung: rein. Die Frage kommt auf, ob das Universum selbst eine Computersimulation sei. Insgesamt scheint das Muster auf, dass CS als Medien der Wissensproduktion wirken. Die kontingenten Kulturen der Ab- und Aufwertung von Verfahren, die Moden der Theoriebildung, die wissenschaftspolitischen Hegemonien einer computationellen Big Science lassen sich erst verstehen, wenn Computersimulationen als schwere Irritation, als Einbruch und Umwälzung begriffen werden.


Das FIW ist mit dieser Vortragsreihe Partner des Wissenschaftsjahres 2014:

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Ort: Bonner Universitätsforum
Adresse: Heussallee 18-24
Weitere Informationen: http://www.fiw.uni-bonn.de/perspektiven-der-moderne
Veranstalter: Forum Internationale Wissenschaft
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