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Aktuelle Forschungsprojekte

Im Zentrum der Forschung der Abteilung stehen theoretische und historische Fragen im Hinblick auf die Globalisierung des Religionsbegriffs und die Religionsgeschichte der globalisierten Welt.

Im Augenblick arbeiten wir an Forschungsprojekten zu folgenden vier Themen:

1) Die theoretische Konzeptualisierung sowie historische Genealogie eines globalen Religionsdiskurses und die Frage nach den „Unterscheidungen der Religion“.

2) Die globale Verflechtungsgeschichte des weltweiten Christentums mit besonderem Schwerpunkt auf der Geschichte des Christentums auf den Philippinen um 1900.

3) Religiöse Modernismen in Asien und Europa um 1900 mit Fokus auf der Geschichte des buddhistischen Modernismus.

4) Die Bedeutung dokumentarischer Medien, besonders des Dokumentarfilms, für die Religionstheorie und die moderne Religionsgeschichte.

 

Einzelne Projekte

Buchprojekt: Unterscheidungen der Religion. Analysen zum globalen Religionsdiskurs und dem Problem der Differenzierung von „Religion“ in buddhistischen Kontexten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 2015) (abgeschlossen)

Welche Unterscheidungen charakterisieren den globalen Diskurs um Religion? Die Studie befasst sich mit dieser Frage aus diskurstheoretischer Sicht, ausgehend von der Unterscheidung zwischen einer religionstheoretischen und einer diskurstheoretischen Auseinandersetzung mit ‚Religion‘. In der Debatte um den Eurozentrismus des Religionsbegriffs und die Identifikation von außereuropäischen Äquivalenten von ‚Religion‘ schlage ich einen Perspektivenwechsel vor. Die Suche nach Äquivalenten wird durch eine Genealogie der Herstellung hypothetischer Äquivalenzen in einer historischen Praxis ersetzt. Dies verweist auf die Frage nach Charakteristika des globalen Religionsdiskurses, die er hier heuristisch als ‚Pluralität‘ und ‚Differenzierung‘, zwei ‚Unterscheidungen der Religion‘, bestimmt. Diese theoretischen Überlegungen werden in einer Beschäftigung mit Religionsdiskursen des buddhistischen Modernismus entwickelt, insbesondere im Thailand des 19. Jahrhunderts, wo sich in der Begegnung zwischen indigenen Eliten und christlichen Missionaren diejenigen Unterscheidungen andeuten, die den globalen Religionsdiskurs im 19. und frühen 20. Jahrhundert entscheidend geprägt haben. In Auseinandersetzung mit der Weltgesellschaftstheorie Niklas Luhmanns stelle ich im Anschluss die Frage nach den Chancen und Problemen einer religionswissenschaftlichen Differenzierungstheorie. Überlegungen zu den Voraussetzungen einer globalen Religionsgeschichte aus Sicht einer kulturwissenschaftlichen Religionswissenschaft schließen die Studie ab (zur Verlagsseite).

 

2017–2019, Projekt gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft:

Unabhängige katholische Bewegungen im Asien des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die „Independent Catholics of India, Goa, and Ceylon“ und die „Iglesia Filipina Independiente“ im Kontext religiöser, politischer und sozialer Emanzipationsbestrebungen in der kolonialen Moderne

Ziel des Projekts ist die vergleichende Analyse zweier Rom-unabhängiger katholischer Bewegungen in Asien um 1900 aus religionswissenschaftlicher und christentumsgeschichtlicher Perspektive. Im Zentrum stehen die 1902 kurz nach dem Übergang von spanischer zu amerikanischer Kolonialherrschaft entstandene philippinische „Iglesia Filipina Independiente“ (IFI) sowie die in den späten 1880er Jahren als Reaktion auf das Ende des portugiesischen Patronats über die katholischen Bistümer Goas und Ceylons gegründeten „Independent Catholics of India, Goa, and Ceylon“. Diese Bewegungen sollen im Hinblick auf drei Aspekte analysiert werden: 1. Die Zusammenhänge zwischen religiöser, politischer und sozialer Emanzipation unter den lokalen indigen-christlichen Eliten; 2. Ihre transregionalen und transkontinentalen Kontakte untereinander sowie mit Rom-unabhängigen katholischen Gruppierungen in anderen Weltregionen; 3. Die Art und Weise, wie sich ihre Vertreter am zeitgenössischen globalen Diskurs um „Religion“ beteiligen und bestrebt sind, sich selbst und ihre jeweiligen kulturellen Kontexte in der universalen Religionsgeschichte der Menschheit zu verorten. Bereits in der Entstehungsgeschichte der zwei Bewegungen lassen sich eine Vielzahl von Parallelen feststellen. Die Unabhängigkeit von Rom wurde in beiden Fällen einerseits von einem ehemaligen römisch-katholischen Priester – Gregorio Aglipay (1860-1940) auf den Philippinen und Antonio Francisco Xavier Alvares (1836-1923) in Goa und auf Ceylon – und andererseits von einem Laienaktivisten vorangetrieben. Die beiden Laien, Isabelo de los Reyes (1864-1938) und Pedro Manuel Lisboa Pinto (1857-1898), betätigten sich nicht nur als religiöse Aktivisten, sondern waren ebenso zentrale Figuren in der Entstehung lokaler Arbeiterbewegungen. Darüber hinaus waren beide als Journalisten und Publizisten aktiv und fungierten als Herausgeber der ersten offiziellen Periodika der jeweiligen Bewegung. Im Jahr 1903 kam es darüber hinaus zu einem direkten Briefkontakt zwischen den „Independent Catholics“ und der IFI. Diese Verbindung, ebenso wie weitere bisher nicht erforschte transregionale und transkontinentale Kontakte und Vernetzungen, wird das Projekt erstmals umfassend aufarbeiten. Zentrale Quellen für die Untersuchung sind neben vielfältigen Archivmaterialien besonders die von Vertretern der zwei Bewegungen um 1900 herausgegebenen Periodika sowie weitere frühe Schriften. Die Forschungsergebnisse sollen in zwei Monographien sowie vier Zeitschriftenaufsätzen vorgelegt werden. Das Projekt trägt so zur Erforschung der Geschichte missionsunabhängiger christlicher Bewegungen im Asien des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts bei und soll über die Berücksichtigung zweier katholischer kolonialer Kontexte der zumeist auf die protestantische Missionsgeschichte fokussierten religionswissenschaftlichen Debatte um die Globalisierung des Religionsdiskurses neue Impulse verleihen.

 

Verstetigung eines wiss. Netzwerks und Publikation eines Handbuchs zur philippinischen Religionsgeschichte: „New Perspectives on Religion in the Philippines“ (2015–2020)

The Philippines has always been a crossroads of diverse religious encounters: between indigenous religions, Islam, Iberian and American Catholicism, Protestantism, indigenous Christian and non-Christian traditions, as well as various Charismatic movements. At the same time, it has been a marginal space, at the geographical margin of Asia and the intellectual margins of scholarship on religion in Southeast Asia and the study of Christianity and Islam. The network will establish a space at the American Academy of Religion (AAR) for presenting and discussing innovative research on religion in the Philippines and incorporate new perspectives in the study of its religious history. It will contribute to understanding the Philippines not as a marginal space, but as an important node in a global history of transregional and transcontinental religious interactions. As an AAR seminar (which will run from 2015 to 2019) the project has two clear goals: publishing an extensive edited volume on “New Perspectives on Religion in the Philippines” – where no such volume currently exists – and creating a much-needed public forum at AAR for discussing research on religion in the Philippines.

 

Forschungsprojekt zu alternativreligiösen Zeitschriften im deutschsprachigen Raum, 1850–1950, mit Prof. Jürgen Mohn (Universität Basel) und Prof. Stephanie Gripentrog (Universität Greifswald)

In Kooperation mit Prof. Dr. Jürgen Mohn (Basel) und Prof. Dr. Stephanie Gripentrog (Greifswald) bereite ich ein Projekt zur Bedeutung deutschsprachiger religiöser und weltanschaulicher Zeitschriften in der Europäischen Religionsgeschichte im Zeitraum 1830–1945 vor. Im Zentrum stehen dabei zunächst Rezeption und frühe Zeitschriften des Buddhismus (Prof. Mohn), esoterische und ok­kul­tis­tische Zeitschriften (Prof. Gripentrog), sowie freireligiöse, freidenkerische und nichtreligiöse Periodika (Prof. Hermann). Die Rolle des Mediums „Zeitschrift“ für die Herausbildung alternativer religiöser Milieus in Europa soll umfassend und vergleichend in den Blick genommen werden.

 

Buchprojekt zur Bedeutung dokumentarischer Medien für die Religionstheorie und die moderne Religionsgeschichte: „Religious Evidences: Audiovisual Media, the Non-Fictional, and the Production of the Religious Real“ [Arbeitstitel]

Das Projekt befasst sich in dreifacher Weise mit der Rolle dokumentarischer audiovisueller Medien in der modernen Religionsgeschichte: über eine Analyse religiöser Medienprodukte inklusive ihres Produktions- und Distributionsprozesses, über Untersuchungen ihrer Präsentation in religiösen und rituellen Settings sowie über Medienrezeptionsstudien. Ich konzentriere mich hierbei in Fortsetzung einer Studie zu evangelikal-charismatischen Dokumentarfilmen und deren Rezeption während einer religiösen Film-Screening Tour 2012 auf die Rolle des „Dokumentarischen“ in der gegenwärtigen Religionslandschaft. Neben empirischen Studien soll der Schwerpunkt auf einer kontrastiven Lektüre des theoretischen Diskurses zum Dokumentarfilm und der religionstheoretischen Tradition liegen.

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