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Fokus Wir: Auf uns alle kommt es an

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[Die Welt im Wandel: Agenda 2030] Rund 120 Gäste aus verschiedensten Kontexten beteiligten sich am 06. Februar 2018 am letzten Abend der "Die Welt im Wandel"-Reihe im Bonner Universitätsforum an der Fishbowl-artigen Diskussion zum Thema "Fokus Wir: Auf uns alle kommt es an".

Nachdem an den vergangenen Veranstaltungsabenden der „Die Welt im Wandel“- Reihe, die sich in diesem Semester mit der Agenda 2030 auseinandersetzte, bereits auf die Dimensionen und Auswirkungen der Nachhaltigkeitsziele im Kontext von Wissenschaft und Medien und auf nationaler und kommunaler Ebene eingegangen wurde, widmete sich der Abschluss der Reihe der Reichweite und den Grenzen nachhaltiger, individueller Entscheidungs- und Handlungspraktiken.

Als Gesprächspartnerinnen waren Leena Volland (Bloggerin, Autorin des Ratgebers "Dein Weg zur Nachhaltigkeit", Co-Gründerin des Blogs nachhaltig-sein.info), Simona Costanzo Sow (Kurs-Koordinatorin, Wissenszentrum für Nachhaltige Entwicklung der Fortbildungsakademie des Systems der Vereinten Nationen (UNSSC) ) und Marie Halbach (Wissenschaftliche Projektmanagerin, Regionale Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien West (RENN.West) / Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW (LAG 21 NRW e.V.) ) geladen. Zusätzlich zu dem Inputs und der Möglichkeit der Diskussion, die sich im Saal bot, waren Thementische vorbereitet worde, an denen sich die Teilnehmenden mit Initiativen aus dem Bonner Raum, die sich ebenfalls mit der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele auseinandersetzen, im Rahmen des Empfangs austauschen konnte.

Leena Volland stellte insbesondere heraus, dass es in Bezug auf individuelle Handlungen und Konsumverhalten nicht hilfreich sei, Mitmenschen gegenüber vorwurfsvoll aufzutreten, sondern die intrinsische Motivation einer jeden Person mit den Nachhaltigkeitszielen in Einklang zu bringen.

Simona Costanzo Sow erläuterte, dass die Diskussion über nachhaltige Entwicklung in Deutschland stark durch eine Debatte um nachhaltige Ressourcen und Umwelt geprägt ist. Demgegenüber steht der Versuch der Vereinten Nationen, auch Dimensionen wie Soziales, Wirtschaft und Ökologie einzubeziehen und Nachhaltigkeit nicht länger als Dichotom zu betrachten. Entscheidungen sollten laut dieses Ansatzes ganzheitlich im Einklang mit diesen Dimensionen getroffen werden, sodass langfristige und nachhaltige Entwicklung nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich und sozial verträglich ist. Marie Halbach gab eine kurze Einführung in die Arbeit RENN.Wests und betonte die Wirkmacht, die der gebündelten und vernetzten Kraft von zivilgesellschaftlichen Akteuren innewohne.

Insbesondere die Vernetzung von zivilgesellschaftlichen und ehrenamtlichen AkteurInnen und Gruppen war ein Stichwort, das in der Fishbowl-artigen Diskussion, bei der die Gäste und die geladenen Gesprächspartnerinnen interaktiv und direkt aufeinander eingehen konnten, rege diskutiert wurde. Eine interessante Beobachtung war hierbei die Tatsache, dass Akteure eine von ihnen beobachtete fehlende Vernetzung in Bonn beklagten, die die Wirkmacht der einzelnen Gruppen und Projekte abschwäche.  Jedoch hielten andere Diskussionsteilnehmende dagegen, dass die Agenda 2030 bereits zu einem stärkeren Austausch auf kommunaler Ebene beigetragen habe, zumal diese erst seit dem Jahre 2015 implementiert wurde.

In der Diskussionsrunde erörterten die Gesprächspartnerinnen gemeinsam mit Almuth Schellpeper, der Moderatorin des Abends, und den Gästen, inwiefern Politik und Staat als Akteur Einfluss nehmen kann auf nachhaltige Entwicklung und nachhaltigen Konsum. Kann das Individuum selbst abwägen und müssen wir nachhaltige Entscheidungen treffen können, oder sollte die Verantwortung von der Politik getragen werden? Können einzelne Personen und Individuen aktiv und nachhaltig Einfluss auf globale Herausforderungen nehmen, wenn politische EntscheidungsträgerInnen nachhaltige Entwicklung nicht als Priorität im Rahmen ihrer Haushalte und Gesetzgebungen implementieren? Auch auf die globale Ebene wurde Bezug genommen, indem gemeinsam darüber diskutiert wurde, inwiefern eigene Entscheidungen einen Einfluss auf andere Teile der Welt haben, wobei Simona Costanzo Sow auch hier auf die Notwendigkeit von Ganzheitlichkeit in nachhaltigen Handlungsweisen verwies. Einige Besucher machten jedoch auch deutlich, dass es nicht möglich sei, eine 100 prozentige Lösung zu finden, da nachhaltige Entscheidungen immer einen Zielkonflikt in sich bergen.

Einige Gäste merkten selbstreflektierend an, dass die Diskussion teilweise eine innere Mauer offenlege, bei der rhetorische Differenzierungen in „wir“ und „die“ unternommen wurden. Entgegen dem Ziel, gemeinsam an der Umsetzung der Agenda 2030 zu arbeiten, scheint die Erwartung an das Gegenüber, sei es ein politischer Vertreter, eine Mitarbeitende auf kommunaler Ebene oder Kollegen aus anderen Vereinen, meist streng und mit bestimmten Vorstellungen verknüpft. Es ist daher erfreulich, dass zahlreiche aktive, gestaltende und lokale Akteure und Gruppen am 06. Februar zusammentrafen und die Möglichkeiten nutzten, sich in der Fishbowl-artigen Diskussion zu äußern und gemeinsam Schwierigkeiten und Grenzen zu lokalisieren und gleichzeitig unsere Thementische im Anschluss an die Veranstaltung für weitere Vernetzung und Austausch wahrnahmen.

Der Abend zeigte, dass der Bedarf an Vernetzungsmöglichkeiten und struktureller Unterstützung seitens lokal agierender Akteure noch deutlich vorhanden ist. Gleichwohl lässt sich festhalten, dass die Bonner Nachhaltigkeitsszene sehr vielfältig und gut aufgestellt ist.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei dem Liaison Office Internationale Wissenschaft der Stadt Bonn, der GIZ und der DW Akademie sowie dem Publikum und bei allen Mitwirkenden für die Umsetzung und Durchführung der "Die Welt im Wandel"- Reihe.



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