Sie sind hier: Startseite Abteilung Digitale Gesellschaft Projekte & Veranstaltungen Bevölkerungsentwicklung

Bevölkerungsentwicklung

1.jpg 

2.jpg 

4.jpg 

5.jpg 

6.jpg 

7.jpg 

8.jpg 

9.jpg 

10.jpg 

11.jpg 

12.jpg 

13.jpg 

14.jpg 

15.jpg 

[Die Welt im Wandel: Antworten an die Zukunft] Bevölkerungsentwicklung und ihre Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und die Zukunft – das war das Thema der Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Wolfgang Lutz (Universität Wien), Michael Herrmann (UNFPA), Renate Bähr (DSW) und Oliver Haas (GIZ).

Das Thema Bevölkerungsentwicklung - und damit verbunden vor allem auch Bevölkerungswachstum - stellt die Weltbevölkerung vor nie da gewesene Herausforderungen, bietet aber jedoch auch eine Reihe von Chancen. Um Prozesse in der Bevölkerungsentwicklung zu verstehen, muss man berücksichtigen, dass diese immer auch mit langfristigen Kulturänderungsprozessen verbunden sind. So nimmt das Thema Familienplanung beispielsweise in vielen Kulturen einen hohen Stellenwert ein. Dabei sind oft eien Vielzahl von Querschnittsthemen und Faktoren zubedenken. Hierzu zählen u.a. die Rechte von Frauen und Mädchen, sowie Bildungs- und Arbeitsangebote: Vor allem in afrikanischen Ländern, sei die die Macht von Frauen über ihre eigenen Entscheidungen für oder gegen Kinder oft nicht in gleichem Maße wie in anderen Teilen der Welt gegeben, so Frau Bähr (Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW). Etwa jede vierte Frau in Ländern des globalen Südens hätte keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. Dadurch kommt es zu vielen ungewollten Schwangerschaften und oft lebensgefährlichen Abtreibungen. Bei solchen Themen müssten aber auch die Männer eingebunden werden. Geschlechterungleichheiten könne man nur lösen, wenn man die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit betrachtet und adressiert.

Prof. Lutz (Leiter des World Population Programs (IIASA) an der Universität Wien) ergänzt, dass Bildung das Schlüsselelement zu mehr Selbstbestimmung darstellt, was dann wiederrum Auswirkungen auf die Familienplanung haben kann. Deshalb sei eine verstärkte Investition in Bildung und Kompetenz-Trainings mindestens genauso wichtig in der Entwicklungszusammenarbeit, wie finanzielle und materielle Unterstützung. Hier solle auch die frühe Bildung stärker in den Fokus gerückt werden. Im Moment würde nur etwa 2% der Entwicklungshilfe in Basisbildung investiert, so Dr. Lutz. Frühkindliche Entwicklung sollte noch stärker gefördert werden, denn besonders im Alter zwischen 2 und 4 Jahren sei diese besonders wichtig, um eine gesunde Basis für das schulische Lernen zu schaffen. Gesundheit und kognitive Entwicklung müssten in einem integrierten Ansatz angewendet werden.

Um zu einem nachhaltigen Bevölkerungswachstum zu kommen, spielt es für Frau Bähr außerdem eine wichtige Rolle, dass die Regierungen freiwillige Familienplanung mittragen. Hier nennt sie Thailand als „best practice“ Fall, in dem dies besonders gut funktioniert hat. Außerdem bestünde noch viel Potenzial, Grenzen einzelner Bereiche in der Entwicklungszusammenarbeit zu durchbrechen, da viele Themen ineinander übergreifen und teils nur gemeinsam Herausforderungen gelöst werden könnten. Deshalb fordert sie einen integrierten Ansatz, bei dem mehrere Bereiche einer Vorgehensweise kombiniert werden, um so langfristig positive Ergebnisse zu erzielen. Um dies zu verdeutlichen wählt sie das Beispiel Äthiopien. Dort führe die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) ein Projekt zur Aids-Prävention und Sexualaufklärung durch, während die GIZ und andere Organisationen mit ähnlichen Projekten ebenfalls vor Ort seien. Wenn diese Projekte zusammen durchgeführt und die unterschiedlichen Ansätze und Schwerpunkte koordiniert werden könnten, würde das große Fortschritte mit sich bringen und langfristige Änderungen möglich machen.

Wenn es um Bevölkerungsentwicklung geht, muss natürlich auch das Thema Migration angesprochen werden. Prof. Lutz vergleicht dazu die Situation Europas vor 100 Jahren mit der Situation Afrikas heute: Massives Bevölkerungswachstum führte in Europa zu Migrationsbewegungen, ebenso wie dies heutzutage in afrikanischen Ländern zu beobachten ist. Dieses Phänomen ließe sich durch Entwicklungszusammenarbeit so schnell nicht ändern. Die Anpassung der Märkte und der Gesellschaft sei ein langwieriger Prozess und die Bedingungen in vielen Staaten könnten nicht in einem kurzen Zeitraum komplett verändert werden. Die Rahmenbedingungen bleiben also weiterhin schwierig und veranlassen Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen.

Wir schließen den Abend mit einem Appell von Oliver Haas an die Menschen, sich mehr zu vernetzen und so gemeinsam Lösungsansätze für die Herausforderungen der Bevölkerungsentwicklung zu finden.


Eine Kooperation von: 

Uni Bonn + fiw + Stadt + Titel - web.jpg

logo GIZ.jpg

 

Artikelaktionen