Afrika

1.jpg 

2 - impuls.jpg 

3.jpg 

4.jpg 

5 - hashtag.jpg 

5.jpg 

7.jpg 

8.jpg 

9.jpg 

10.jpg 

12.jpg 

13.jpg 

14.jpg 

15.jpg 

[Die Welt im Wandel: Antworten an die Zukunft] Am 23.10.2018 eröffneten wir die fünfte Ausgabe unserer Veranstaltungsreihe "Die Welt im Wandel“.

Den Anfang machte das Thema „Afrika“. Zum Auftakt durften wir Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate (Unternehmensberater für Afrika, Bestsellerautor und politischer Analyst), Prof. Dr. Detlef Müller-Mahn (Professor für Entwicklungsgeographie, Leiter des CRC 228-Projekts „Future Rural Africa“ von der Universität Bonn), Christoph Rauh (Leiter Unterabteilung 20 – Afrika, BMZ) und Dr. Boniface Mabanza Bambu (Entwicklungsexperte, Leiter der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika, KASA) unseren Räumlichkeiten begrüßen.

 
Von kolonialen Mustern, Grenzziehungen und –überschreitungen und die Antworten der afrikanischen Union auf die Zukunft

 Warum Afrika? Mit dieser Frage eröffnet Moderatorin Ute Lange den Abend. Mit seinen 54 Staaten ist der Kontinent in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der deutschen und europäischen Entwicklungspolitik gerückt. Das bezeugen einige groß angelegte Projekte und entwicklungspolitische Initiativen: zum einen der Marshallplan mit Afrika, der im vergangenen Jahr vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) aufgelegt wurde und der vom Bundesfinanzministerium koordinierte G20 Compact with Africa (CwA). Für Dezember 2018 ist der nächste EU-Afrikagipfel geplant.

Afrika als Kristallisationspunkt

Der Kontinent kann als Kristallisationspunkt für Themen wie Bevölkerungsentwicklung, Fragile Staaten, Entwicklungszusammenarbeit und Lebensraum gesehen werden, welche an den folgenden Abenden besprochen werden sollen. Wie kann staatliche Fragilität wieder hergestellt werden? Welche Folgen wird der Klimawandel für lokale Lebensräume haben?

Hierzu eröffnete Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate den Abend mit einem Impulsvortrag. Der politische Analyst, geboren in Äthiopien, stellt zunächst fest: Afrika ist die Urheimat von uns allen, von Ostafrika aus verbreiteten wir Menschen uns über die ganze Welt, daher ist die Begegnung unterschiedlicher Kulturen das Merkmal der kulturellen Entwicklung der Menschheit. Afrika sei aus politischer, wirtschaftlicher, kultureller und ökologischer Sicht wichtig, nicht zuletzt aufgrund seines gigantischen Ressourcenreichtums, von dem die eigene Bevölkerung bisher wenig profitiert hat. Afrika verfüge über 60 Prozent der noch nicht bewirtschafteten Agrarflächen dieses Planeten, Afrikas Landschaften seien für das globale Ökosystem von enormer Bedeutung.

Europas Geschenk an Afrika

Wenn Afrika eine Zukunft haben soll, muss Europa von seiner bisherigen Wirtschafts- und Handelspolitik zurücktreten. Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate fordert eine Hilfe zur Entwicklung für Afrika, die nachhaltig ist und auf Eigeninitiative beruht, bei der die Förderung der kleinen Leute durch Mikrokredite eine zentrale Rolle. Vor allem aber, gelte es, die Frauen zu fördern: Sie sind der Schlüssel zu Afrikas Zukunft. Der Kontinent würde gegenwärtig neu entdeckt, er erlebe eine geostrategische Renaissance dank dem wachsenden Rohstoffhunger der Industrienationen. Die Entwicklungsländer würden sich derzeit emanzipieren, so Dr. Prinz Asserate, jedoch muss auch Europa an einer nachhaltigen Entwicklung seines Nachbarkontinents interessiert sein: Das größte Geschenk was Europa Afrika derzeit machen könnte, wäre, seine Appeasement-Politik gegenüber afrikanischen Gewaltherrschern zu beenden. Die Forderung nach guter Regierungsführung sei hier entscheidend.

Governance im Rahmen eines Paradigmenwechsels

Die folgende Podiumsdiskussion wurde angestoßen durch ein Statement von Christoph Rauh vom BMZ, zu einem der wichtigsten Bausteine des Marshallplans mit Afrika, den Reformpartnerschaften: Bezüglich der Antworten an die Zukunft, würde das Element ‚Governance‘ im Rahmen eines Paradigmenwechsels wesentlich stärker in den Vordergrund gestellt.

Im Moment gäbe es konkrete Partnerschaften in Ghana, in der Elfenbeinküste und in Tunesien, bei denen die Reformen von den Ländern selbst entwickelt wurden. Wenn man gemeinsam entwickelte Ziele erreichen würde, würde es nächste Auszahlungen von zugesicherten Mitteln in Tranchen geben. Es wird jedoch nicht bei drei Partnerschaften bleiben, es wird im Rahmen der Compact with Africa-Konferenz über eine Ausdehnung auf sechs Länder gesprochen werden.

Zukunft Afrikas im ländlichen Raum

Moderatorin Ute Lange spricht nun Prof. Dr. Müller-Mahn an, welcher den Satz „Die Zukunft Afrikas liegt im ländlichen Raum“ prägt. Welche Antworten an die Zukunft hofft Herr Müller-Mahn im Rahmen seines Forschungsprojektes geben zu können?

Prof. Dr. Müller-Mahn stellt als Wissenschaftler zunächst Fragen, anstatt Antworten zu finden: Was lernen wir aus den Fehlern der Vergangenheit? Was bedeutet Zukunft? Welche Zukunftsvorstellungen haben die Menschen in Afrika selbst? Was passiert, wenn Entwicklungsexperten mit Menschen reden, die ein anderes kulturelles Bild von ‚Zukunft‘ haben? Das CRC 228-Projekt „Future Rural Africa“ beschäftigt sich genau mit diesen Fragen, so Müller-Mahn. Die Zukunft sei offen und umkämpft, und er sei sehr vorsichtig – auch als Warnung auf die Strategie des BMZ – mit fertigen Modellen in Afrika anzukommen. Hier läge die Fokussierung auf die Zivilgesellschaft im ländlichen Raum – zum Beispiel in Bezug auf das Phänomen Landraub – wo Menschen mit Ungewissheit, aber auch einer großen Hoffnung umgehen müssten.

Der Marshallplan als ‚Maus‘

Dr. Boniface Mabanza Bambu hat in seinem Artikel über den Marshallplan geschrieben, dass dieser eher als ‚Maus’ bezeichnet werden müsste, so Ute Lange. Welche Antworten an die Zukunft müsste der Marshallplan seiner Ansicht nachgeben, die er derzeit noch nicht zu geben vermag?

Wenn man über Afrika diskutiere, bestehe oft die Gefahr, die Probleme so sehr in den Vordergrund zu stellen, dass alle positiven Dynamiken nicht mehr vorkommen würden. Es gäbe viele interessante Projekte im afrikanischen Raum, so zum Beispiel der Bereich Ernährung und die Versorgung der Bevölkerung. Die Modelle der Menschen in Afrika müssten für partizipative Entscheidungsfindungsprozesse berücksichtigt werden. Der Marshallplan würde den ganzen Kontinent lediglich auf eine Nachkriegsordnung reduzieren.

In der nachfolgenden Diskussion aller Referenten äußert sich zunächst Christoph Rauh zu den ‚Rezepten von außen‘, die an Afrika herangetragen werden: Man müsse auf Konzepte bauen, die von den Partnern selbst entwickelt worden sind, welche unter ‚good governance‘ zusammengefasst werden könnten. Der Begriff ‚Marshallplan‘ solle darüber hinaus absichtlich zu Diskussionen führen.

Einige Besucher*innen thematisierten, dass der Aspekt der mangelnden Kohärenz mit anderen Bereichen der Politik ein Kritikpunkt sei und der Marshallplan darauf keine Antworten geben würde und dass die europäische Außenwirtschaftspolitik eines der größten Probleme für Afrika sei. Außerdem würde es oft ausschließlich um die Erlangung von Profiten gehe.

Der Abend zeigte, dass das Interesse an Afrika aus Sicht der Entwicklungszusammenarbeit groß ist, und es bereits viele Überlegungen dazu gibt, über die genaue Umsetzung muss jedoch noch diskutiert werden. Die Rücksichtnahme auf afrikanische Werte und die Stimmen der Zivilbevölkerung spielt dabei eine große Rolle.


 

Eine Kooperation von: 

Uni Bonn + fiw + Stadt + Titel - web.jpg

logo GIZ.jpg

 

  

 

Artikelaktionen