Sie sind hier: Startseite Abteilung Digitale Gesellschaft Projekte & Veranstaltungen 2016 Partizipativ. Inklusiv. Transparent: Entwicklung für alle durch Open Government?

Partizipativ. Inklusiv. Transparent: Entwicklung für alle durch Open Government?

1

Moderator Holger Hank von der Deutschen Welle Akademie eröffnete den ersten Abend in der Reihe "Die Welt im Wandel: Real. Digital.".

3

Dr. Lutz Möller, stellvertretender Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission, gab den ersten Impulsvortrag des Abends.

2

Dr. Philipp Müller, Präsidiumsmitglied der Initiative D21, beleuchtete die Entwicklung des Digitalen unter Anderem aus einer historischen Perspektive.

4

Nach jedem Vortrag sowie in den letzten 30 Minuten gab es für unsere Gäste die Möglichkeit Fragen zu stellen und sich aktiv an der Diskussion mit unseren drei Referenten zu beteiligen. 

5

In der offenen Diskussionsrunde wurde nicht nur über die Möglichkeiten und Chancen von Open Government diskutiert, sondern auch über die entsprechenden Grenzen.

[Die Welt im Wandel: Real. Digital.] Am 24.10.2016 eröffneten wir die dritte Runde unserer Veranstaltungsreihe "Die Welt im Wandel: Real. Digital.". Zum Auftakt durften wir Dr. Lutz Möller (Deutsche UNESCO-Kommission), Dr. Philipp Müller (Initiative D21), Joachim Fritz (GIZ) in den Räumlichkeiten der GIZ begrüßen.

Von Martin Luther, dem ersten Blogger der Geschichte, bis hin zum gekonnten Reiten der digitalen Welle 

„Was haben Reformation und digitale Revolution gemeinsam?“, fragte Referent Philipp Müller, Präsidiumsmitglied der Initiative D21, einem „Netzwerk für die Digitale Gesellschaft“, zum Auftakt der Bonner Ringvorlesung „Die Welt im Wandel: Digital. Real.“ am 24.10.2016 und gab die Antwort gleich selbst: „Martin Luther war der erste Blogger der Geschichte.“ Er habe seine 95 Thesen an das Holztor der Schlosskirche Wittenberg ge“bloggt“, sein Internet war der Buchdruck. So wie es damals Luthers Anliegen gewesen sei, die Korruption der Kirche anzuprangern, sind es heute vielfach Blogger und Online-Aktivisten, die Missstände aufdecken, betonte Müller während der Auftaktvorlesung „Partizipativ. Inklusiv. Transparent: Entwicklung für alle durch Open Government?“ Neben Müller begrüßte Moderator Holger Hank von der Deutschen Welle Akademie im Bonner Mäanderbau der GIZ rund 150 Zuhörerinnen und Zuhörer sowie, als weitere Panelisten den stellvertretenden Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission, Lutz Möller, und Joachim Fritz, Leiter der Abteilung Governance & Konflikt der GIZ. Sie waren eingeladen, um die Frage zu beleuchten: Entwicklung für alle durch Open Government?

UNESCO-Vertreter Möller machte zum Auftakt klar: Nur wenn das Recht auf Privatsphäre, der Zugang zu Wissen und Informationen, Meinungsfreiheit und ethische Prinzipien eingehalten würden, könne eine offene, moderne und digitale Wissensgesellschaft gelingen. „Der Zugang zu Informationen ist integraler Teil der Menschenrechte“, sagte er auf Basis einer kürzlich erstellten Studie mit dem Titel: „Keystones to foster inclusive knowledge societies“. Hieraus leite sich die Verantwortung von Regierungen ab, z.B. Open Government-Strategien zu entwickeln.

Was aber zeichnet eine gute Open Government-Strategie aus? „Ehrlich gemeinte Angebote der Kollaboration“, sagte Müller, so wie beispielsweise die Stadt Wien. Sie gehe hier mit ihrer Digitalen Agenda beispielhaft voran: Bürger könnten bald nachverfolgen, ob ihre Ideen Eingang in das Verwaltungssystem der Stadt gefunden hätten. „Digital“ funktioniere aber nur, wenn „real“ etwas passiere: „Wenn die Menschen in der Verwaltung die Open Government-Strategie nicht mittragen, erreichen Sie transformativ gar nichts.“ Herzblut allein genüge nicht, es brauche Zeit und Geld, Dinge auszuprobieren, um das richtige Rezept für strukturelle Veränderungen zu finden.

„Mittlerweile sind bereits 70 Länder der Open Government Initiative beigetreten und machen Erfahrungen, von denen ggf. auch Deutschland als derzeit noch nicht offizielles Mitglied lernen kann“, sagte Joachim Fritz. Südafrika, Georgien oder Bangladesch würden bereits Open Government-Lösungen umsetzen und dabei auf deutsche EZ-Beratung setzen. In Bangladesch habe man beispielsweise den Bau eines Transparenz-Portals des Justizwesens unterstützt. Dieses helfe, Korruption zu bekämpfen und das Vertrauen in staatliche Institutionen zu stärken.

Die neue Offenheit sei aber nicht immer gut, meinten einige Zuhörer. Bedinge die hemmungslose Datensammlung und -offenlegung nicht eine Monopolisierung von Macht wie etwa in Öl-Staaten? Der Vergleich mit dem Öl hinke, hielt  Müller dagegen. Daten allein verliehen keine Macht, erst das Wissen um ihre Verknüpfung, Vernetzung und Auswertung: „Eine Smart City ist nur so gut wie ihre Smart Citizens“ ergänzte Fritz mit frischen Eindrücken von der soeben stattgefundenen Habitat III Konferenz in Quito, Ecuador. Datenschutz, Sicherheit und Gewaltenteilung brauche es natürlich auch in einem offenen System. Doch bei aller Vorsicht müsse allen Beteiligten klar sein:  Jedes digitale System könne man hacken, die ultimative Sicherheit gäbe es nicht.

Die digitale Revolution werde oft als Naturgewalt beschrieben, der man nichts entgegen setzen könne; dabei sei sie doch menschgemacht und theoretisch steuerbar, bemerkte ein anderer Zuhörer. Ob mensch- oder maschinengemacht ist nach Ansicht Müllers egal. Er verglich die digitale Revolution mit einer riesigen, disruptiven Welle. Surfer Müller empfahl: „Wir müssen verhindern, von dieser Welle überrollt zu werden und entscheiden, wie man diese reitet. Es ist unsere gesellschaftliche Verpflichtung, die Naturgewalt Digitalisierung selbst zu gestalten. Offenheit kann dabei helfen.“  

 

Studien:

 

Initiativen:



Eine Kooperation von:

Uni Bonn + fiw + Stadt + Titel RGB.jpg

 

 

 

 

 

               

     DW Akademie  GIZ.jpg  

Artikelaktionen