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Bonn Selbstgemacht. Lokale Praktiken zur Hervorbringung und Gestaltung des urbanen Raumes.

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Zu einer sehr lebhaften Podiumsdiskussion zum Ende unserer Reihe "Die Welt im Wandel: Zukunftsstadt" durften wir knapp 200 Gäste begrüßen.

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Der Abend stand unter dem Thema "Bonn selbstgemacht. Lokale Praktiken zur Hervorbringung und Gestaltung des urbanen Raumes". Unsere Moderatorin Merjam Wakili (DW Akademie) leitete die Diskussion.

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"Der Wandel ist schon da, aber oft haben wir keine Zeit diesen zu leben und zu lernen." plädierte Gesa Maschkowski von 'Bonn im Wandel - Transition Town Bonn'.

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Sascha Förster berichtete von seinen Initiativen 'BonnerBlogs', 'Bundesstadt.com' und 'Bonn.digital'.

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Anne Wissmann (Ermekeilinitiative e.V.) bemerkte, dass grundlegende Veränderungen der Stadtentwicklung nicht auf Basis von ehrenamtlich Engagierten erfolgen könne. 

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Das Menschen sich eher engagieren, wenn sie sehen, dass ihr Engagement Wirkung zeigt, unterstrich Ansgar Klein (BBE).

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Zum Abschluss des Abends schauten wir mit MinDirig. Wilfried Kraus (BMBF) auf das Wissenschaftsjahr "Zukunftsstadt" 2015 und unsere Reihe zurück.

Preview ImageMitschnitt der Podiumsdiskussion von Uni Bonn TV. 

 

Preview ImageInterview mit MinDirig. Wilfried Kraus (BMBF).

[Welt im Wandel: Zukunftsstadt] Am 11.01.2016 fand die Abschlussveranstaltung unserer "Die Welt im Wandel: Zukunftsstadt"-Reihe statt. Zu unserer Podiumsdiskussion durften wir Anna Wissmann (Ermekeilinitiative e.V.), Gesa Maschkowski (Bonn im Wandel), Dr. Ansgar Klein (BBE) und Sascha Förster (Bonn.digital) begrüßen. Ebenso sind ca. 200 Gäste unserer Einladung zu diesem Abend gefolgt.

Von den Mühen und Freuden einer Stadtentwicklung von unten

Im Rahmen des letzten Termins der Ringvorlesungsreihe “Zukunftsstadt” “Bonn selbstgemacht. Lokale Praktiken zur Hervorbringung und Gestaltung des urbanen Raumes”

  tauschten sich vier VertreterInnen der Zivilgesellschaft aus Bonn vor einem voll besetzten Saal über eine “Stadtentwicklung von unten” aus. Gesa Maschkowski von Transition Town Bonn hatte dem Publikum drei Powerpoint-Folien und ein Ei (aus eigener Tierhaltung) mitgebracht, anhand dessen sie die Vorzüge des selbst tätig Werdens und Wirkens erläuterte. Die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) Bonn produziere 130 Ernteeinheiten mit 170.000 EUR Mitgliedsbeiträgen jährlich. Jeder könne unabhängig vom Einkommen Mitglied werden. Es sei nicht einfach gewesen, die zwei Höfe der SoLaWi Bonn zu finden: Die vorherrschende großmaßstäbliche Landwirtschaft verursache ein massives Hofsterben. Hier hakte Anna Wissmann von der Ermekeilinitiative ein: Städtischer Freiraum für die Entwicklung von Initiativen und Ideen sei rar und teuer. Die Ermekeilinitiative hat seit ihrer Gründung 2005 einen partizipativen Ideenentwicklungsprozess rund um das große  innerstädtische Grundstück der Bundeswehr begleitet, doch erst seit 2013 und Auszug des Bundes bespielt und betreibt die Initiative das Gelände in einer Übergangsnutzung tatsächlich. Auch Wissmann berichtete von der beglückenden Erfahrung des Selbermachens – sei es in den Gärten der Initiative, im “Repair Café”, das eine sehr diverse Nutzergruppe zusammenbringe, oder aber durch die Arbeit mit den dort untergebrachten Flüchtlingen. Wissmann mahnte jedoch auch an, dass Ehrenamt überstrapaziert werden könne. Für bestimmte Tätigkeiten bräuchte es eben Professionalität.

Dr. Ansgar Klein vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) sprach von “den Wellen der Leidenschaft und Enttäuschung”, die Engagement oftmals prägten. Er erlebe viele Ehrenamtliche als sehr professionell in ihrem Tun; aber letzten Endes seien es Hauptamtliche, die diese auffangen könnten und müssten. Er forderte kommunale Engagement-Strategien für Kooperation mit und Aktivierung von bürgerschaftlichem Engagement.  Gleichzeitig wies auf die bedauernswerte Tendenz hin, dass in Zeiten klammer kommunaler Kassen bürgerschaftliches Engagement manches Mal als dauerhaft verfügbare Ressource missverstanden und vergessen würde, dass Freiwilligenarbeit auch sehr schnell wieder abebben könne. Weiterhin wies er vor dem Hintergrund seiner reichhaltigen Erfahrung im BBE-Netzwerk, das privatwirtschaftliche, staatliche und bürgerschaftliche Akteure unter einem Dach vereint,  darauf hin, dass bürgerschaftliches Engagement auch Konflikte mit sich bringe. Es gäbe eben nicht nur das “gute” (siehe Pegida) oder das protestfreie bürgerschaftliche Engagement. Der konstruktive Umgang damit gehöre dazu; Dialogprozesse brächten einen echten Mehrwert. Weiterhin müsse sich bürgerschaftliches Engagement auf alle Bevölkerungsgruppen erstrecken, also auch auf jene zugehen, die sich mangels Zeit, Geld oder Bildung nicht so leicht engagieren könnten und wollten.
Sascha Förster, Initiator der Plattform Bonner Blogs wies in diesem  Zusammenhang auf die inklusiven Qualitäten des Internet hin. Bonner Akteure organisierten sich im Virtuellen, um ihr direktes Umfeld besser und gemeinsam zu gestalten. Wo wie von Wissman angesprochen Raum knapp und teuer sei, könnte das Internet durchaus mit Abhilfe schaffen. Das Bonner Digitalbiotop habe in der Zwischenzeit signifikante Ausdehnung: Mit ungefähr 700 lokalen Blogs, die zwischen 50 und 60 Artikel täglich veröffentlichten, brauche man den Vergleich mit dem Bonner Generalanzeiger nicht scheuen. Förster schloss seinen Beitrag mit der Unterstützung der Forderung Kleins nach einer Bonner Engagement-Strategie, die zeitgleich aber noch mit einem lokalen Crowd-Sourcing Portal für gemeinnützige Projekte kombiniert sein solle.


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Die Veranstaltung endete mit einem Beitrag von Ministerialdirigent Wilfried Kraus, Leiter der Projektgruppe Wissenschaftsjahr 2015 „Zukunftsstadt“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und seinem Resümé zum Wissenschaftsjahr, welches er als äußerst erfolgreich einstufte. Der Ressonanzboden sei groß gewesen, gerade auch, weil die aus seiner Sicht wichtigste Ebene - die kommunale – so unmittelbar vom Thema “Zukunftsstadt” betroffen gewesen sei. Viele Akteure hätten sehr aktiv teilgenommen und mitdiskutiert, genauso wie im letzten Termin der Ringvorlesung. Er endete mit einem Appell an Politik und Staat, Mut zu haben, “Verantwortung zu teilen und bürgerschaftlich Engagierte nicht nur mitlabern, sondern auch mitgestalten zu lassen”.
 


Die nächste Reihe der Ringvorlesung “Die Welt im Wandel” wird unter einem bald bekanntzugebenden Titel im Wintersemester 2016/2017 stattfinden.

Der OrganistorInnenkreis bedankt sich beim Publikum für das rege Interesse und die gleichbleibend hohen Besucherzahlen, die als Ermutigung verstanden werden, in Qualität und Güte nicht nachzulassen und auch im kommenden Wintersemester den Saal des FIW wieder mit vielen ZuhörerInnen und MitdiskutantInnen zu füllen!



Eine Kooperation von:

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