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Forschungsansatz

Digitale Technologien schreiben sich mit zunehmender Intensität in die soziokulturelle Evolution der Gesellschaft und ihrer Teilbereiche ein; sie initiieren weitere Globalisierungsschübe, indem sie kommunikative Reichweiten und Interdependenzen erhöhen; und sie erzeugen neuartige Anpassungszwänge, denen sie zugleich wieder in der Dynamik ihrer eigenen Entwicklung zu begegnen suchen.

 
Im Zentrum dieses wissenschaftlichen Untersuchungshorizonts stehen vier Fragekomplexe, die entlang ausgewählter Beispiele erschlossen werden sollen:
 
  1. Auf welche Weise reorganisieren digitale Technologien soziale Kommunikation in den gesellschaftlichen Teilbereichen? Welche neuen Entscheidungsökonomien und Verteilungslogiken von Kontrolle und Kontrollentzug werden beispielshalber auf dem Gebiet des Politischen wirksam, wenn Entscheidungsvorgänge durch redundante Abläufe und automatisierte Formen der Informationsverarbeitung überschrieben oder auf andere Ebenen verlagert werden? Oder wie werden, um ein weiteres Beispiel zu nennen, in der Wissenschaft Gegenstandsbereiche, Forschungsfelder und leitende Fragestellungen, Theorie- und Methodenrepertoires durch neue Formen der Datenerfassung und -verarbeitung modifiziert oder allererst konstituiert?
     
  2. Wie verändern sich die Modi der Interaktion zwischen den gesellschaftlichen Teilbereichen, wenn immer mehr Informationen und Prozesse strukturell einggeführt werden? Welche sekundären Bedürfnisse einer (wiederum technologisch gestützten) Entkopplung von Abläufen (Stichwort: Datensicherheit) löst dies aus? Welche neuen Funktionalitäten, Risiken und Irreversibilitäten sind mit der Erhöhung von Abhängigkeiten (Stichwort: Big Data) verbunden und wie setzen sich diese artifiziell gezeugten Abhängigkeiten zu den natürlichen Interdependenzen ökologischer Systeme in Beziehung?
     
  3. Wie wird der ‚Mensch’ (als semantisches Konstrukt) durch digitale Technologien und deren Potential, heterogene Elemente (z.B. physischer, biologischer, psychischer oder kommunikativer Art) informationstechnisch aneinander zu binden, soziotechnisch rekonfiguriert? In welches Gesamtensembles der Informationsverarbeitung wird er im Kontext einer digitalen Anthropologie eingebettet? Und welche Kulturtechniken entstehen an diesen neuen Schnittstellen?
     
  4. Welche semantischen und theoretischen Repertoires prägen die Dynamik digitaler Innovationen? Welche Imaginationen steuern ihre Operationsweisen, ihre Anwendungsszenarien und nicht zuletzt auch ihr Design und ihre Ästhetik? Wie wirkt dies umgekehrt auf das Gefüge kultureller Kommunikation zurück?
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