You are here: Home Department for Digital Society Projects & Events 2017 Un-/Sicherheiten des Digitalen [Die Welt im Wandel: Real. Digital.]

Un-/Sicherheiten des Digitalen [Die Welt im Wandel: Real. Digital.]

1

Prof. Dr. Michael Meier, Leiter der Abteilung 'Cyber Security' am Fraunhofer FKIE veranschaulichte in seinem Vortrag nicht nur die Schutzziele der IT-Sicherheit, sondern er verdeutlichte ebenfalls wie diese in Konkurrenz zueinander stehen.

2

Peter Schaar, Vorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit & Datenschutz (EAID) und ehemaliger Bundesbeauftragter für den Datenschutz & die Informationsfreiheit veranschaulichte sieben Thesen zur Digitalisierung.

3

Die spannende und sehr angeregte Abschlussdiskussion mit unseren Gästen wurde von Holger Hank von der DW Akademie moderiert.

Zu letzten Veranstaltung des Jahres begrüßten wir am 15.12.2016 Peter Schaar (EAID) und Michael Meier (Fraunhofer FKIE) im Bonner Universitätsforum. An diesem Abend drehte sich alles um Risiken, Möglichkeite und Sicherheiten in der digitalen Welt.

Zwischen Datenschutz und sicherer Offenheit: Un-/ Sicherheiten des Digitalen

„Den so genannten Telekom-Hack gab es nicht.“ Michael Meier, Professor für IT-Sicherheit an der Universität Bonn und Leiter der Abteilung Cybersicherheit am Fraunhofer Institut verunsicherte fast schon programmatisch das Publikum zu Beginn der Vorlesung „Un-/Sicherheiten des Digitalen“ im Rahmen der Reihe „Die Welt im Wandel. Real. Digital.“ Der Hack war Anfang Dezember durch ungeschützte vernetze Kaffeemaschinen erfolgt. Nicht der Cyberangriff habe die Rooter der Privatkunden der Telekom lahmgelegt, betonte Meier. Vielmehr die heftige Gegenwehr des gut gesicherten Systems. Die Frage sei daher vielmehr, welchen Schaden die Cyberattacke der Hacker an ungeschützteren Stellen ausgelöst habe.

Cybersicherheit: Reifes Produkt oder grüne Bananen?

Meier stellte zudem klar, dass auch der beste Programmierer fehlbar sei: Pro 1000 programmierten Zeilen („Lines of Code“) schlichen sich durchschnittlich 3 Fehler ein. Diese würden von Hackern als Schwachstellen für Cyberangriffe genutzt. Ein Glück, dass das durchschnittliche Auto von heute mit etwa 100 Millionen Lines of Code bisher nur begrenzt vernetzt sei und ein Hack nicht gleich einen Totalschaden verursachen kann. Eine weitere große Herausforderung sei, dass die meisten Software-Produkte wie unreife grüne Bananen auf den Markt kämen – darin befänden sich dann deutlich mehr Fehler. In für die innere Sicherheit sehr relevanten Bereichen neige man daher zu Minimalismus oder  sorgfältiger Reifung des Produktes.

Auch Peter Schaar, von 2003 bis 2013 Datenschutzbeauftragter der Bundesregierung und heute Vorsitzender der europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz, griff noch einmal den „Angriff der Kaffeemaschinen“ auf, um seine These der Virtualisierung des Realen - der „Kohlenstoffwelt“ - mit einem möglichen Alltagsszenario zu untermauern: In einer Welt des ubiquitous computing und des „Internet der Dinge“ wären wir nicht mehr weit davon entfernt, dass der Kühlschrank selbstständig beim Supermarkt bestelle und wir die Lebensmittellieferung vom Büro aus quittierten, während der Hausroboter diese ohne unser Zutun in Empfang nähme und verstaue.

Big Data, Big Dilemma - Datenschutz ist nicht von gestern, denn morgen ist Big Data!

In Zeiten von Terror und Technologieglauben wird es laut Schaar zusehends schwieriger, Prinzipien wie Erforderlichkeit, Datensparsamkeit und Zweckbindung, die fest in deutschen und nun auch europäischen Datenschutzgesetzen verankert sind, durchzusetzen. Durch Datenmaximierung würden statistisch belegbare Vorhersagen möglich – für Digitalunternehmen DAS Geschäftsmodell zur Profitmaximierung. Doch auch auf staatlicher Seite würde der Druck immer größer, die Möglichkeiten von Big Data effektiv zu nutzen, z.B. für die statistische Vorhersage von Straftaten oder die Verbesserung von Infrastruktur. Datenschutz würde daher als nicht mehr zeitgemäß verunglimpft. Dabei bräuchte man ihn mehr denn je, so Schaar.

Ethics by design

Schaar forderte neben einem klaren Bekenntnis zum digitalen Zeitalter („digital by design“) den aus seiner Sicht korrespondierenden automatischen Einbau ethischer Prinzipien („ethics by design“). So schwierig wie oftmals dargestellt sei das gar nicht: Mithilfe von früh erfolgender Anonymisierung und Pseudonomisierung könne schon viel Daten- und Menschenrechtsschutz gewährleistet werden, ohne auf sinnvollen Datenaustausch, z.B. zur Strafverfolgung oder –vorbeugung, verzichten zu müssen. „Es braucht ein Update unseres Rechtssystems“ betonte Schaar und zog Parallelen zur industriellen Revolution: Dort habe es anfänglich auch schlimme Exzesse gegeben, die man Zug um Zug regulierte.

Kenntnis über und Einblick in die Methoden und Algorithmen der großen Digitalunternehmen sei Teil dieses „Updates“ – nicht, um etwa Daten abzugreifen, sondern um beispielsweise mathematisch begründbarer Diskriminierung vorzubeugen, die unmöglich Leitprinzip moderner Demokratien sein könne. Den größten Handlungsbedarf sah Schaar daher zwischen Bürger und Unternehmen, der Verbraucherschutz müsse dringend gestärkt werden.

Zum Schluss spornte er das Publikum an, selbst tätig zu werden: z.B. könne man Bundestagsabgeordnete anschreiben. International tätige Unternehmen wie die GIZ könnten andere Regierungen zu einem zeitgemäßen Datenschutz beraten. Die Gunst der Stunde müsse genutzt werden, denn noch stünde Deutschland im internationalen Vergleich für einen soliden Datenschutz.

 

Links:



In Kooperation mit:
Uni Bonn + fiw + Stadt + Titel RGB.jpg
 
 
 
 
 
               
     DW Akademie  GIZ.jpg  
Document Actions