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Die Grenzen der Stadt - eine kulturwissenschaftliche Betrachtung [Welt im Wandel: Zukunftsstadt]

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Zu unserer letzten "Die Welt im Wandel: Zukunftsstadt"-Veranstaltung im Jahr 2015, durften wir, zusammen mit rund 100 Gästen, vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Amsterdam, Lancaster und Bonn bei uns begrüßen.

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Christian Moser, Professor für vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Bonn, eröffnete den Abend mit einer Einführung in das Thema.

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Dr. Miriam Meissner, Dozentin für Medien und Kulturwissenschaften an der Universität Lancaster, stellte die Ergebnisse aus einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit Prof. Dr. Christoph Lindner zum Thema 'Global Garbage' vor. 

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Dana Bönisch (Universität Bonn) gab weitere Anregungen zu dem in 'Waste Land' dargestellten Kunstprojekt und verglich die Dokumentation mit T.S. Eliots Gedicht 'The Waste Land' aus dem Jahre 1922. 

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Christoph Lindner, Professor für Medienwissenschaften an der Universität Amsterdam, stieg, zusammen mit unseren Gästen, in die Diskussion mit ein. 

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Unsere Moderatorin Merjam Wakili (DW Akademie), leitete wie an den vorherigen Abenden eine spannende Diskussion mit unseren Referentinnen, Referenten und Gästen. 

Was sind die Grenzen der Stadt? Wie de‚finieren‘ sie den urbanen Raum? Und was kennzeichnet diese Randbereiche im Zeitalter der Globalisierung? Zu diesen Fragen haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Amsterdam und der Universität Bonn am 14.12.2015 im Bonner Universitätsforum Stellung genommen. Gemeinsam mit den Gästen diskutierten Dana Bönisch, Christoph Lindner, Miriam Meissner und Christian Moser diese in- und exkludierenden Effekte aus kulturwissenschaftlicher Perspektive.

Die vorletzte Veranstaltung im Rahmen der Vorlesungsreihe „Die Welt im Wandel – Zukunftsstadt“ wendete sich den „Grenzen der Stadt“ zu und nahm damit jene Übergangs- und Transitzonen in den Blick, die urbane Räume von ihrem Umland trennen. Dass diese Grenzbereiche nicht nur infrastrukturelle Funktion übernehmen und den geographischen Raum strukturieren, sondern auch kulturelle Signifikanz besitzen und daher (z.B. als Ghetto oder Brachland) auch inmitten in der Städte selbst zu finden sind, darauf verwies einleitend Christian Moser. Ausgehend von den Möglichkeiten, den urbanen Raum als vielschichtiges semiotisches Gefüge - als ‚Text‘ - zu verstehen, in dem soziale, politische, wirtschaftliche und kulturelle Praktiken ineinandergreifen, lenkte er den Blick auf das Phänomen des Abfalls. Im Umgang mit Abfall und Müll, d.h. im Umgang mit einer Materie, die zugleich ausgegrenzt wird und selber ausgrenzt, spiegeln sich Umgangsformen mit diesen Grenzen in symbolisch verdichteter Form. Und die Art und Weise, wie Gesellschaften, vergangene wie gegenwärtige, mit Abfall und Müll umgehen, wie sie ihn produzieren, entsorgen oder auch exportieren, sagt viel über ihre soziale Verfasstheit und ihr kulturelles Selbstverständnis aus.
 
Anknüpfend an die kulturwissenschaftliche Exposition verdeutlichten Ausschnitte aus dem preisgekrönten Dokumentarfilm Waste Land eindrücklich, wie stark und vielschichtig diese Grenzziehungen sind. Unter Bezugnahme auf dieses Filmbeispiel, das sich mit einem Kunstprojekt auf der zentralen Mülldeponie von Rio de Janeiro beschäftigt, entwickelten Miriam Meissner, Christoph Lindner und Dana Bönisch ihre weiterführenden Überlegungen zu Müll als spezifisch urbanem Phänomen, als Form des Globalen und des Sozialen, als informelle Ökonomie und als Kunst- und Textmaterial. Die Verlagerung des Mülls an die Grenzen der Stadt und über die Landesgrenzen hinaus in andere Länder, deren Menschen dann wiederum in oftmals prekären sozialen Situationen ihren Lebensunterhalt als ‚Müllpflücker’ (Catadores), verdienen, macht unmittelbar die engen Zusammenhänge zwischen politischem und wirtschaftlichem Ungleichgewicht und sozialer Ausgrenzung deutlich. Die Referentinnen und Referenten zeigten zugleich aber auch, dass die Grenzen der Stadt im Zeitalter der Globalisierung fluide und durchlässig geworden sind, dass verschiedene Formen der Zirkulation die Metropolen miteinander verbinden, und eine einfache Vorstellung von 'Zentrum' und 'Peripherie' nicht mehr haltbar ist. Allerdings ist auch unverkennbar, dass der Ursprung der Wege, auf denen der Müll heute weltweit zirkuliert, vielfach in die Kolonialzeit zurückreicht.
 
Im Gespräch mit den Gästen verwiesen die vier Referentinnen und Referenten darauf, dass die Versuche eines Projektes, die Catadores und ihr Material auf dem Weg einer künstlerischen Aneignung kulturell und symbolisch wieder in den Raum der Stadt zurückzuholen, letztlich selber ambivalent bleiben müssen. Aber ungeachtet dieser Problematik heben ästhetische Auseinandersetzungen oftmals genau jene Phänomene dezidiert wieder in das Bewusstsein, die allzu oft auf lokaler wie auf globaler Ebene aus dem Blick entfernt und an die Grenzen der Stadt bzw. die Randzonen der Gesellschaft verschoben werden.

  • Hier finden Sie unser Storify.
  • Den Radiobeitrag der Sendung "Kultur Heute" des Deutschlandfunkes finden Sie hier.

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