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Politische Inklusion: Demokratie und ihre Alternativen

Zusammenfassung

Das Projekt schliesst an die soziologische Theorie der Inklusion an, die sich auf der Basis der Arbeiten von T.H. Marshall, T. Parsons, N. Luhmann und M. Foucault in den letzten Jahrzehnten herausgebildet hat. Es verknüpft sie mit der Hypothese der funktionalen Differenzierung der Weltgesellschaft. Am Beispiel des politischen Systems der Weltgesellschaft und auf der Basis der Formen und Varianten politischer Inklusion in der Moderne wird das Projekt versuchen, eine systematische Beschreibung und Erklärung der heute beobachtbaren politischen Regimes zu erarbeiten. Politische Demokratie ruht auf einer radikalen Individualisierung politischer Inklusion und dem vollständigen Zurückdrängen aller traditionellen und in nichtpolitischen Ressourcen gegründeten Zugangswege zu politischer Beteiligung. Das Projekt wird herauszuarbeiten versuchen, dass auch die Alternativen zu politischer Demokratie, die heute beobachtbar sind, dem Inklusionsimperativ der Moderne Rechnung tragen und dass sie gut analysierbar und in ihren eventuellen Erfolgsbedingungen verständlich werden, wenn man herausarbeitet, wie sie in je verschiedenen Varianten den Inklusionsimperativ umsetzen. Die politischen Regimes, die man unterscheiden kann, sind ausser den verschiedenen Formen von Demokratie (repräsentative Demokratie, direkte Demokratie) Varianten eines leistungsbewussten Autoritarismus (Singapur), absolute Monarchie (Saudi-Arabien), Theokratie (Iran), Experto-, Techno- und Meritokratie (China), Militärdiktatur (Ägypten). Das in der frühen Neuzeit prominente Modell aristokratisch-republikanischer Elitenherrschaft scheint in der Gegenwart keine Verkörperungen mehr zu kennen.

Das Projekt geht nicht unmittelbar den Weg über die Regimeformen. Es untersucht vielmehr den Zusammenhang von Inklusion und dem Variationsspielraum politischer Regimes mittels fünf verschiedener Aspekte der Relevanz und der institutionellen Umsetzung von Inklusion.

1.    Die Frage nach der sozialen Regulierung des Zugangs in politischen Systemen. Untersucht werden Kategorisierungen von Personen, die für die Inklusion in politische Systeme in der Moderne bedeutsam sind, wie z.B. Alter, Staatsangehörigkeit, Aufenthaltsdauer.

2.    Die Frage der multiplen Inklusion in politische Systeme als miteinander kombinierbare, teils konkurrierende und möglicherweise substituierbare Erwartungen und Formen der Inklusion in Teilsysteme und Organisationen (z.B. Parteien, Verwaltung, Wahlen, soziale Bewegungen, Militär) sowie in die verschiedenen Ebenen der Organisation des Politischen (lokal, regional, national, global).

3.    Die Kontrolle, Begrenzung und Fluidität politischer Macht als Indikator demokratischer Systeme und der Konflikt dieser an sich erwünschten Eigenschaften mit der gleichermaßen legitimen Erwartung einer Lern- und vor allem Handlungsfähigkeit politischer Systeme. Die in diesem Widerspruch wahrscheinliche Verschiebung von Inklusion auf die Outputseite des Politischen.

4.    Das Spannungsverhältnis zwischen der Relevanz von Wissenssystemen, die für die aktive Partizipation an der Politik eine Voraussetzung sein können (Rhetorik, Rechtswissen, politische Wissenschaft), und der gleichzeitig geltenden Bedingung, dass Inklusion nicht von vorherigem Wissen abhängig gemacht werden darf.

5.    Das Konzedieren autonomer Handlungsbereiche (Zentralbanken, Verfassungsgerichte) als eine Form der Selbstlimitierung von Inklusion in politischen Systemen.

 

Zur Projektskizze

 

Aktivitäten im Rahmen des Projekts "Politische Inklusion":

Lehre

  • Ahlers, Anna/ Stichweh, Rudolf: MA-Seminar an der Universität Luzern: "Politische Inklusion", Wintersemester 2014/15.
  • Laube, Lena/ Moser, Evelyn: BA-Seminar an der Universität Bonn, Institut für Politikwissenschaft und Soziologie: "Soziologie der politischen Inklusion: Theoretische Perspektiven und empirische Anwendungen", Wintersemester 2014/15.

 

 Vorträge

Das Projekt "Politische Inklusion" stellt sich mit zwei Vorträgen beim Dies Academicus vor, am 3.12.2014 von 11-13 Uhr:

  • Moser, Evelyn: "Die Politik der Gabe: Autonomiekonzessionen und gemeinnützige Stiftungen in Demokratien"
  • Stichweh, Rudolf: "Demokratie und Autoritarismus als globale politische Modelle. Zu einer soziologischen Theorie politischer Regimes"

 

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