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Sezessionskonflikte in den Nationalstaaten der Weltgesellschaft

Dissertationsprojekt von Philipp Rückheim

„But the recourse to war, it must be repeated, was not the only means nor the most usual one of acquiring territory.“ (Finer 1974: 93 zum Europa der frühen Neuzeit)

„An episode of civil conflict, not its absence, is the norm in most countries […]“ (Blattman und Miguel 2010: 8 zur gegenwärtigen Situation in der Staatenwelt)

Diese Dissertation versucht Sezessionskonflikte von der Ebene der Weltgesellschaft aus zu erklären. In dieser Hinsicht lassen sich Sezessionsversuche nicht allein auf Unterschiede in ökonomischen und politischen Ausstattungen eines Staates und seinen Regionen zurückführen (siehe Horowitz 1985, Deiwiks et al. 2012), und auch nicht nur auf veränderte Möglichkeiten des Protests (Beissinger 2009) oder der rechtlichen Anerkennung neuer Staaten (Fabry 2008). Diese und weitere Erklärungsansätze lassen sich mit der Theorie der Weltgesellschaft zusammenführen, um das Auftreten und den Verlauf dieser Konflikte soziologisch zu studieren. Die Zunahme innerstaatlicher, gewaltsam ausgetragener Konflikte, zu denen Sezessionskonflikte gehören, die Ökonomen der Moderne attestieren, scheint auf einen gesellschaftshistorischen Wandel zu verweisen. Auch deshalb stehen die Fragen im Vordergrund, ob und wie diese Konflikte mit der Entstehung der Weltgesellschaft einhergehen und wie sie wiederum auf die Strukturen dieser Weltgesellschaft zurückwirken – z.B. auf die Ausdifferenzierung des politischen Systems.

Erstens wird diese Dissertation versuchen einen soziologischen Begriff der Sezession und ihrer Konflikte zu erarbeiten. Der Konfliktgegenstand scheint offensichtlich, geht es bei Sezessionsversuchen doch um widersprechende Ansprüche gegenüber einem Staatsterritorium. Dagegen sind die Konfliktursachen und Verlaufsformen zuweilen sehr unterschiedlich. Zweitens steht in dieser Dissertation die gesellschaftliche Einbettung dieser Konflikte im Vordergrund. Im Unterschied zur bisherigen Literatur werden Sezessionsversuche primär nicht von der Ebene des jeweiligen Staates, seinen Regionen und Bevölkerungen erklärt, sondern von der Ebene der Weltgesellschaft, wo diese und andere Einflussfaktoren relevant werden können. Ihr Interesse liegt in der Unwahrscheinlichkeit dieser Kommunikation (siehe Luhmann 2009a). Wie ist es überhaupt möglich, eine Sezession zu wagen, wenn das Scheitern der Normalfall ist? Wie gelingt es beispielsweise in einer Region Sezessionsversuche zu mobilisieren, die über 300 Sprachgruppen zählt (Indonesiens Papua)? Welche Funktion kommt dabei den Strukturen und Operationen der Weltgesellschaft zu und wie wirken Sezessionskonflikte auf diese zurück?

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