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Yulia Lokshina (Abt. f. Religionsforschung) erhält für REGELN AM BAND, BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT den Preis der deutschen Filmkritik 2020 für den besten deutschen Dokumentarfilm

Yulia Lokshina (Abt. f. Religionsforschung) erhält für REGELN AM BAND, BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT den Preis der deutschen Filmkritik 2020 für den besten deutschen Dokumentarfilm

©wirFILM

Der Preis der deutschen Filmkritik ist eine vom Verband der deutschen Filmkritik verliehene Auszeichnung für die besten deutschen Filme, die im vorangehenden Kalenderjahr in den Kinos zu sehen waren. Der Preis der deutschen Filmkritik ist der einzige deutsche Filmpreis, der ausschließlich von Filmkritikern vergeben wird.

Der Film REGELN AM BAND, BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT von Yulia Lokshina beschäftigt sich mit den aktuell wieder stärker in den Blick der Öffentlichkeit geratenen Arbeits- und Lebensverhältnissen von osteuropäischen Arbeitsmigrant:innen in der deutschen Fleischproduktion Yulia Lokshina ist Diplomregisseurin (HFF München) und arbeitet seit 2017 mit der Abt. f. Religionsforschung am FIW zusammen. Sie promoviert mit einem Stipendium der Böll-Stiftung an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf bei Prof. Dr. Hans-Joachim Neubauer.
 
Synopsis: In der westdeutschen Provinz kämpfen osteuropäische Leiharbeiter*innen des größten Schweineschlachtbetriebs des Landes ums Überleben – und Aktivist*innen, die sich für deren Rechte einsetzen, mit den Behörden. Zur gleichen Zeit proben Münchener Gymnasiast*innen das Stück „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“ und reflektieren über die deutschen Wirtschaftsstrukturen und ihr Verhältnis dazu. Verwoben mit den Gedankengängen der Jugendlichen und ihrer Auseinandersetzung mit dem Text in den Proben erzählt der Film in unterschiedlichen Fragmenten über Bedingungen und Facetten von Leiharbeit und Arbeitsmigration in Deutschland.
 
Begründung der Jury (Matthias Dell, Bettina Hirsch, Peter Kremsk):
„Ich kann mir das natürlich überhaupt nicht vorstellen, wie das ist“, sagt ein Schüler, und damit ist das Projekt dieses Films gut beschrieben: Es geht darum Bilder zu finden für etwas, von dem es keine Bilder gibt. Um damit Vorstellungen zu korrigieren, die sich nicht oder falsch gemacht werden. Die Fleischfabrik ist kein Ort mehr, an dem die „Sendung mit der Maus“ filmen kann, wie Industrie funktioniert dank Automatisierung und Leuten an den Geräten, die ein gutes Einkommen haben und eine sinnvolle Arbeit und Rechte, die von Gewerkschaften vertreten werden. „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“ ist ein Film, der von den menschenunwürdigen Zuständen in den Tönnies-Fleischfabriken erzählt, denen wir unsere billigen Lebensmittel verdanken und nicht nur Tönnies sein Vermögen, und der zugleich darüber nachdenkt, was dieses Erzählen sein und bewirken kann angesichts des Umstands, dass das Wissen um die skandalösen Zustände mitten in Deutschland nicht ausreicht, sie aus der Welt zu schaffen. Die Klugheit von Yulia Lokshinas Dokumentarfilm besteht in seinem Essayismus, der die Medien des Erzählens mitdenkt, das Theater, den Journalismus, den Film. Auf diese Weise entsteht ein Dokument, das nicht mit dem Kopf vor die Wand der Empörung rennt, sondern sich als zeitlose Übersetzungshilfe begreift: für Bilder, die nicht gemacht werden können, und Vorstellungen, die nicht stimmen. „Du hast nicht aufgepasst“, sagt der Deutschlehrer zum Arbeiter im Kurs, der ihm versucht zu erklären, dass nicht individuelles Versagen vorliegt, sondern ein strukturelles Problem. Das Deutsch des Lehrers ist also falsch – und das sichtbar zu machen, ist Verdienst dieses Films.

Laudatio: Matthias Dell (Deutschlandfunk Kultur)

Auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis 2020 wurde der Film im Januar 2020 uraufgeführt und als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Auf dem Dokfest München 2020 erhielt der Film den Megaherz Student Award.

Prof. Dr. Adrian Hermann hat in der aktuellen Ausgabe des Magazins DEPENDENT des Bonn Center for Slavery and Dependency Studies über den Film REGELN AM BAND, BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT geschrieben: https://www.dependency.uni-bonn.de/en/publications/dependent-21-1-web.pdf
 
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